Versorgung bei komplexen Abnutzungserscheinungen der Zähne (Abrasionen/ Erosionen)

Starke Abnutzungserscheinungen an den Zähnen sind eine Form der Zahnerkrankung, die in der letzten Zeit immer häufiger auftritt. Hierbei sind nicht nur, wie man vermuten könnte, ältere Menschen betroffen, sondern auch schon ganz junge Erwachsene. Diese Abnutzungen der Zähne bei denen der komplette Zahnschmelz (äußere, weiße Schicht des Zahnes) verschwindet, entstehen aus verschiedenen Gründen. Allen gemeinsam ist, dass im Gegensatz zu den durch Karies entstandenen Zahnschäden, keinerlei Bakterien oder Zucker im Mundraum vorhanden sein müssen und diese somit auch bei Patienten mit sehr guter Mundhygiene entstehen können. Außerdem betreffen diese Abnutzungen meist nicht einzelne Zähne sondern gesamte Zahngruppen, wie zum Beispiel alle Frontzähne, oder sogar alle Zähne. Schon daraus lässt sich der Aufwand der Therapie eines solchen Gebisses erkennen.

Im Folgenden werden die einzelnen Unterschiede der Abnutzungen und deren Entstehung aufgezeigt:

1. Abrasionen:

Abrasionen entstehen durch die mechanische Abnutzung (Abrieb) des Schmelzes. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese vermehrt bei älteren Patienten, durch den langen Gebrauch der Zähne, vorliegen.

Durch Knirschen und Pressen (Bruxismus) kann diese Erscheinung aber auch schon viel früher zu Tage treten. Gerade in der modernen Welt, in der sehr viele Einflüsse, v.a. durch die neuen Kommunikationssysteme und Medien, auf unser Gehirn einwirken, entsteht  ein großer, oft nicht bemerkter Stress. In vielen Fällen wird dieser Stress über vermehrtes Zähnezusammenbeißen und –reiben vor allem nachts abgebaut. Dr. Diether Reusch bemerkt: „Das Kauorgan dient dem Organismus als Werkzeug zur Entlastung der Psyche.“ Dies ist der Grund für vorzeitigen mechanischen Abrieb des Zahnschmelzes bei schon jungen Patienten von 20-25 Jahren.

2. Erosionen:

Erosionen entstehen durch direkten Angriff von Säure auf den Zahnschmelz. Hierbei werden die Mineralien, die sich im Schmelz befinden herausgelöst. Im Ergebnis liegt dann die innere wesentlich empfindlichere Zahnschicht (Dentin) frei. Die Säureangriffe können hierbei durch verschiedene Faktoren entstehen. Einige seien hier genannt:

  • Magenerkrankungen/ Sodbrennen: Hierbei gelangt ständig Magensäure in den Mundraum und sorgt für einen kontinuierlichen Angriff auf den Zahnschmelz.
  • Essstörungen/Bulämie: Durch häufiges Erbrechen entsteht ebenfalls ein saures Milieu im Mund, das zur Auflösung des Zahnschmelzes führt. Meist bei jungen Frauen.
  • Essgewohnheiten/Ernährung:
  • Viel Früchte/ Fruchtsäfte/ Limonaden mit Fruchtsäure: Die meisten Früchte enthalten Fruchtsäuren, die direkt den Zahnschmelz schädigen.
  • Viel Salate: Diese werden meist mit Essig angemacht. Essig ist wieder eine Säure, die den Zahnschmelz direkt angreift.
  • Isotonische Sportgetränke oder Energydrinks wie z.B. Red Bull: Auch in diesen befinden sich Säuren, die den Schmelz direkt angreifen, aber auch sehr viel Zucker, der von Bakterien zu Säure umgewandelt wird.

Man kann hier erkennen, dass oftmals eine extrem gesunde Ernährung auch zu Schäden an den Zähnen führt. Dieser Effekt kann nur durch Einhalten von besonderen Maßnahmen bei der Mundhygiene etwas ausgeglichen werden. Bei unserer Professionellen Zahnreinigung wird hierauf besonders eingegangen. Ihnen werden Tipps zur Verlangsamung des Schmelzabbaus gegeben.

3. Kombination von Erosion und Abrasion:

Wird der Zahnschmelz durch o.g. Säurezufuhr angelöst, wird dieser rau und spröde und somit angreifbar. Kommt jetzt noch ein starkes Knirschen auf diesem so entstandenen schwachen Zahnschmelz hinzu, verschleißt dieser in einem sehr kurzen Zeitraum.

Abb.: Durch permanenten Säureangriff geschädigter Zahn (fehlender Zahnschmelz) bei 25-jährigem Patienten

Folgen der Abnutzungen:

  • Durch den fehlenden Zahnschmelz entsteht oft eine Reizung des Zahnnervs und somit entstehen empfindliche bis sehr schmerzhafte Zähne
  • Oft bemerkt der Patient immer dünner werdende Frontzähne, die gräulich schimmern, Zahnkanten fransen aus oder brechen teilweise ab
  • Auch Seitenzähne können bröckeln und abbrechen
  • Durch den Schmelzverlust beißt der betroffene Patient tiefer zu. Oft sind dies bis zu 8 mm Verlust der Bisshöhe. Dadurch kann es zu Kompressionen oder anderen Veränderungen bis zur Arthrose im Kiefergelenk kommen, die teilweise sehr schmerzhaft werden können.


Behandlung:

  • Kunststoffschienen können bei Bruximus die Abrasion verlangsamen.
  • Professionelle Zahnreinigung mit individueller Ernährungsberatung kann bei Erosionen ein verlangsamtes Fortschreiten erreichen. Allerdings ist hier die überdurchschnittliche Mitarbeit des Patienten gefordert.
  • In einfacheren Fällen, kann durch Überkronen und eventueller Wurzelbehandlung einzelner Zähne die Überempfindlichkeit und der weitere Zerfall des Einzelzahnes aufgehalten werden. Allerdings wird sich der Prozess des Zahnschmelzverlustes an den nicht behandelten Zähnen weiter fortsetzen und es werden immer wieder Behandlungen weiterer Zähne folgen. Die abgesunkene Bisshöhe wird nicht korrigiert.
  • Bei starken Abnutzungen mit Verlust der Bisshöhe. Hier sollte ein Gesamtkonzept mit genauer Diagnostik erfolgen. Es muss hier bei allen Zähnen der verloren gegangene Schmelz durch Keramik wieder ersetzt werden. Die Zähne werden wieder auf die Ausgangshöhe aufgebaut, der Verlust der Bisshöhe wird wieder ausgeglichen. Die ursprüngliche natürliche Funktion und Ästhetik des gesamten Gebisses wird hier wieder hergestellt. Durch minimalinvasives (zahnsubstanzschonendes) Vorgehen wird hier kaum weitere gesunde Zahnsubstanz geopfert, im Gegenteil, diese wird durch Keramik wieder ersetzt. Weitere Schäden an den Zähnen werden vermieden. Einer Kiefergelenkserkrankung wird vorgebeugt.